Samstag, 14. März 2020

3. Fastensonntag - Lj. A

Liebe Brüder und Schwestern!

Aufgrund der besonderen Situation habe ich für heute keine eigentliche Predigt vorbereitet.
Es kommt mir wichtiger vor, Ihnen ein paar Ratschläge für die nächste Zeit in die Hand zu geben. Diese hl. Messe ist ja heute leider der letzte öffentliche Gottesdienst, der - vorerst bis 3. April - hier gefeiert werden kann.
Ratschläge, Verhaltenshinweise, Hygienevorschriften, etc. bekommen wir diese Tage genug und das ist sicher richtig und wichtig.
Doch - wie wir es vor zwei Wochen im Evangelium von den Versuchungen Jesu gehört haben - "der Mensch lebt nicht von Brot allein". So halte ich es eben für angebracht, auch jenseits dieser wichtigen Dinge des alltäglichen profanen Lebens auf das geistliche Leben hinzuweisen - gerade für eine Zeit, in der der Zugang zur hl. Messe erschwert wird bzw. faktisch nicht gegeben ist.
Eigentlich ist es auch genau das, was Jesus mit der Samariterin am Jakobsbrunnen macht. Er führt sie über das Wasser, das sie braucht um ihren Durst zu stillen, hinaus zu "seinem" Wasser, zum Glauben an ihn, zum Gebet "im Geist und in der Wahrheit", zum geistlichen Leben. Und so wie das Wasser zum Durststillen damit nicht obsolet wird - die Frau muss weiterhin zum Brunnen kommen und Wasser schöpfen -, so gibt es eben auch für diese Zeit profane Anordnungen, die uns gegeben werden.
Aber darüber hinaus lädt uns Jesus zu den geistlichen Quellen.

An erster Stelle steht dabei natürlich die Feier der Eucharistie, die hl. Messe, die "Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens" ist.
Was können wir also tun, wenn uns der Zugang gerade zu dieser wichtigsten Feier unseres Glaubens verwehrt ist?
Zunächst möchte ich Sie versichern, dass sowohl der Herr Pfarrer als auch ich in diesen Tagen nicht aufhören werden, die hl. Messe zu feiern - stellvertretend für alle Gläubigen und in Christus mit Ihnen verbunden.
Wenn Sie nun nicht physisch an der hl. Messe teilnehmen können, sind Sie umso mehr eingeladen, über andere Kanäle den Gottesdienst zu Hause mitzufeiern: Fernsehen, Radio, Internet - die Angebote sind vielfältig. Hinten liegt auch eine eigene Information dazu aus.
Freilich wird es nicht ausreichen, einfach den Fernseher einzuschalten, sondern es soll eine echte Teilnahme sein. Auch ein innerer Wunsch, sich mit Jesus so zu verbinden, wie wenn ich ihn in der hl. Kommunion empfangen würde, gehört dazu - man nennt das "geistige Kommunion".
Achten Sie in diesen Tagen besonders auch auf die Kirchenglocken, wenn Sie in "Hörweite" zu Hause sind. Der Herr Bischof hat uns Priester ermutigt, die Glocken zu läuten, sooft wir die hl. Messe feiern. Wenigstens ein kurzer Gedanke an Jesus beim Glockengeläut, ein inneres Verlangen, sich mit ihm zu vereinen, sich im Gebet mit dem Priester verbinden, der jetzt das Opfer Christi feiert, seine Lebenshingabe für uns.

Hinweisen möchte ich darauf, dass die Kirche auf ausdrückliche bischöfliche Anordnung weiterhin zum persönlichen Gebet offen steht.
Hinten steht eine Gebetsbox, in die Sie Anliegen geben können, die ich täglich in die hl. Messe miteinschließen werde. Solche Anliegen können Sie mir gerne auch anders zukommen lassen.

Außerdem hat uns der Herr Bischof ermutigt, besonders auch das Bußsakrament in dieser Zeit nicht zu vernachlässigen. An Samstagen werde ich - solange es aufgrund der Vorgaben möglich ist - von 15:00 bis 16:00 in der Kirche sein und für Aussprache und Beichte zur Verfügung stehen. Auch sonst können Sie sich jederzeit melden, um dieses Sakrament zu empfangen.
Nutzen Sie dieses Angebot, das letztlich nicht mein Angebot, sondern das Angebot Jesu ist. Lassen Sie sich auch auf diese Weise aus seinen Quellen stärken!

Und auch zu Hause soll das geistliche Leben nicht abreißen. Es gibt im Internet vielfältiges Angebot, um kleine Gottesdienste in der Familie zu gestalten oder die hl. Schrift zu meditieren.
Ich weiß noch nicht genau in welcher Form, aber ich werde mich bemühen, auch auf unserer Pfarrhomepage ein kleines Angebot bereitzustellen. Aber - so steht es ja auch in der hl. Schrift - "wer sucht, der findet", besonders die Homepages der Diözesen sind eine gute erste Anlaufstelle.

Vor allem aber möchte ich die ganz einfachen Frömmigkeitsformen in Erinnerung rufen, die schon so viele Generationen durch die verschiedensten Krisenzeiten begleitet haben: der Rosenkranz, der Engel des Herrn beim dreimal täglichen Läuten der Glocken, das Tischgebet, Morgen- und Abendgebete, kurze Stoßgebete im Laufe des Tages, gerade jetzt in der Fastenzeit das Betrachten des Kreuzweges, das Lesen in der hl. Schrift oder in einem geistlichen Buch. Kurz gesagt: im Gebet die Nähe Gottes suchen - das müssen keine langen Andachten sein. Besser kurze und dafür wirklich ernst genommene Augenblicke der Sehnsucht nach Gott!

Wenn wir jetzt gleich gemeinsam unseren Glauben bekennen, dann soll das das starke Fundament sein, auf dem wir stehen, die Quelle, aus der wir leben, das Wasser, das Jesus uns geben möchte - besonders auch in schwierigen Zeiten.
Vergessen wir nicht, was Paulus uns in der zweiten Lesung heute sagt: "Die Hoffnung aber lässt nicht zugrunde gehen; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist."
Amen.

Zu den liturgischen Texten

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