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7. Ostersonntag - Lj. A

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Liebe Schwestern und Brüder! „Das ist einfach herrlich!“ - „Was für ein herrlicher Tag!“ - „Eine herrliche Aussicht!“ Wir sagen das ganz spontan. Wenn uns etwas tief berührt. Wenn wir staunen. Wenn wir Freude empfinden. Wenn wir spüren: Da ist etwas Schönes, etwas Großes, etwas, das über den Alltag hinausweist. „Herrlich“ – das ist ein Wort voller Licht und Freude. Und genau dieses Wort begegnet uns heute im Evangelium. Jesus spricht kurz vor seinem Leiden sein großes Abschiedsgebet zum Vater. Und darin sagt er: „Vater, verherrliche deinen Sohn … Ich habe dich auf der Erde verherrlicht; jetzt verherrliche du mich.“ Immer wieder hören wir dieses Wort: Herrlichkeit. Verherrlichen. Im griechischen Urtext steht dafür das Wort doxa . Ein sehr reiches Wort. Es bedeutet nicht nur äußeren Glanz oder Ruhm. Doxa meint die göttliche Herrlichkeit, die Gegenwart Gottes, sein Licht, seine Größe, seine Schönheit, seine Wahrheit. Dort, wo Gottes doxa aufstrahlt, dort wird etwas vom Him...

6. Ostersonntag - Lj. A (Muttertag)

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Liebe Brüder und Schwestern! Der heutige Sonntag stellt uns eine einfache und zugleich unbequeme Frage: Woran sieht man eigentlich einem Christen seine Hoffnung an? Im ersten Petrusbrief haben wir gehört: „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die euch erfüllt.“ (1 Petr 3,15) Dieser Satz wird oft zitiert. Aber meistens überhören wir die Voraussetzung, die darin steckt. Denn warum sollte überhaupt jemand fragen? Warum sollte jemand auf die Idee kommen, mich nach meiner Hoffnung zu fragen? Offenbar deshalb, weil man sie mir ansieht. Weil da etwas spürbar ist. Weil ein Mensch anders lebt, anders spricht, anders mit Schwierigkeiten umgeht. Vielleicht kennen Sie das berühmte Wort von Friedrich Nietzsche: „Die Christen müssten mir erlöster aussehen, damit ich an den Erlöser glauben könnte“. So spöttisch dieser Satz gemeint war – ganz unrecht hat er vielleicht nicht. Denn manch...

5. Ostersonntag - Lj. A

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Liebe Brüder und Schwestern! „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ Ein Satz, den wir oft gehört haben; vielleicht so oft, dass er uns gar nicht mehr überrascht. Und doch: Wenn man ihn ernst nimmt, ist er ungeheuer kühn. Jesus sagt nicht: Ich zeige euch einen Weg. Er sagt nicht: Ich lehre euch die Wahrheit. Er sagt nicht: Ich bringe euch Leben. Er sagt: Ich bin . Drei Worte - Weg, Wahrheit, Leben - und jedes öffnet eine eigene Welt. 1. „Ich bin der Weg“ Ein Weg ist etwas, auf dem man geht. Einen Weg zu gehen, setzt Bewegung voraus. Wer auf einem Weg ist, der ist unterwegs, der ist noch nicht angekommen. Vielleicht kennen wir das: Man steht an einer Weggabelung im Leben - eine Entscheidung, eine Unsicherheit, ein offenes Wohin. Und dann wünscht man sich oft einen klaren Plan, eine Karte, eine sichere Anleitung. Aber Jesus gibt keinen Plan. Er gibt sich selbst. Das heißt: Christsein ist nicht zuerst ein System von Regeln oder ein fertiges Konzept. Es ist Unterweg...

1. Mai 2026 - Josef der Arbeiter, Übergabe der Firmkarten

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  Liebe Firmlinge, liebe Brüder und Schwestern! „Komm, wir bringen die Welt zum Leuchten“ – so war eure Firmvorbereitung in diesem Jahr überschrieben. Eine starke Idee. Aber ich möchte gleich auf den Punkt kommen und ganz ehrlich fragen: Wie bringt man die Welt zum Leuchten? Viele denken vielleicht: durch große Taten, durch besondere Auftritte, durch Worte, die alle hören. Aber der heutige Gedenktag führt uns einen anderen Weg vor Augen - den Weg des hl. Josef. Josef von Nazaret steht nicht im Rampenlicht. Kein einziges Wort von ihm ist in der Bibel überliefert. Und doch: Sein Leben leuchtet. Warum? Weil er treu gewesen ist in dem, was ihm anvertraut war. Weil er seine Arbeit getan hat - sorgfältig, verlässlich, im Vertrauen auf Gott. Die Lesung aus dem Kolosserbrief bringt es auf den Punkt: „Tut eure Arbeit gern, als wäre sie für den Herrn“ - Das ist der Schlüssel: Die Welt beginnt dort zu leuchten, wo Menschen das, was sie tun, mit Herz tun. Nicht halb-herzig, nich...

Fr d. 4. Osterwoche - Berufungswallfahrt Sonntagberg

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Liebe Wallfahrer, liebe Brüder und Schwestern! Ich lese Ihnen jetzt ein paar Zitate vor und Sie überlegen sich bitte, ob Ihnen diese Zitate bekannt vorkommen bzw. ob Sie sie heute in der Messe schon gehört haben: "Diesen Jesus hat Gott auferweckt, dafür sind wir alle Zeugen." (Apg 2,32) "Du gibst deinen Frommen nicht der Verwesung preis." (Apg 2,27) "Mit Gewissheit erkenne also das ganze Haus Israel: Gott hat ihn zum Herrn und Christus gemacht." (Apg 2,36) Und für alle, die sich jetzt denken: Klar, das haben wir vorhin in der Lesung in der Predigt des hl. Paulus gehört - Ich muss Sie enttäuschen: Diese Sätze stammen aus einer anderen Predigt, einige Kapitel früher in der Apostelgeschichte. Sie sind nicht aus der Predigt des Paulus, sondern aus der Pfingstpredigt des Petrus. Trotzdem haben Sie nicht unrecht, denn ich habe bewusst Sätze ausgesucht, die ganz ähnlich sowohl von Petrus als auch später von Paulus gesagt werden. Es sind gleiche Gedanken, ähnliche...

4. Ostersonntag - Lj. A

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Liebe Brüder und Schwestern im Herrn! In den vergangenen Tagen und Wochen konnte man in den Medien eine ungewöhnliche Auseinandersetzung verfolgen: zwischen dem US-Präsidenten Donald Trump und Papst Leo XIV. Da fielen starke Worte. Trump, wie man ihn kennt, politisch zugespitzt. Und Papst Leo hat darauf nur sinngemäß geantwortet: „Ich bin kein Politiker, sondern ich verkünde das Evangelium.“ Ein Satz, der zunächst vielleicht ausweichend klingt. Man könnte denken: Warum sagt er nichts Konkretes, Inhaltliches auf die Anschuldigungen Trumps? Warum wehrt er sich nicht? Warum holt er nicht zum Gegenschlag aus? Und doch steckt darin eine tiefe Wahrheit. Wenn wir heute in die zweite Lesung schauen – aus dem ersten Petrusbrief –, dann scheint sie auf den ersten Blick gar nichts mit solchen Fragen zu tun zu haben. Im Kontext, der in der Lesung im Gottesdienst ausgelassen wird, geht es um ein Thema, das uns heute fremd ist: Die heutige Lesung ist eine Mahnrede an Sklaven, unfreie Menschen, die C...

3. Ostersonntag - Lj. A (mit Vorstellung der Symbolik des geplanten neuen Ambo in Weistrach)

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Liebe Brüder und Schwestern! Heute steht uns in unserer Pfarrkirche dieser Stein vor Augen. Es ist kein glatter, kein einheitlicher Stein, sondern ein Konglomerat: viele Stücke, viele Einschlüsse, unterschiedliche Formen, Farben, Brüche. Nichts daran ist vollkommen gleichmäßig. Da sind Kanten, Ausbuchtungen, Löcher, Spannungen im Material. - Und genau dieser Stein ist vorgesehen für den neuen Ambo, für den Ort der Verkündigung der Frohen Botschaft in unserer Pfarrkirche. Viele haben sich diesen Stein in den letzten Tagen angesehen. Manche haben gesagt: Das passt doch nicht zum Altar oder zur Kirche . Andere sind einfach überrascht gewesen. Und vielleicht ist es Ihnen ähnlich gegangen. Man bleibt an diesem Stein hängen. Er ist nicht selbstverständlich. - Und ich meine: Genau darin kann auch seine Stärke liegen. Schauen wir auf das heutige Evangelium: Die Jünger sind am See. Sie tun das, was sie kennen: sie gehen fischen. Dann steht da einer am Ufer, den sie nicht erkennen: Jesus, der Au...