4. Sonntag i. Jkr. - Lj. A
Wann haben Sie das letzte Mal zu jemandem gesagt: „Herzlichen Glückwunsch!“? - Vielleicht erst vor Kurzem: zum Geburtstag, zur bestandenen Prüfung, zur Hochzeit, zur Geburt eines Kindes. Wir gratulieren, wenn etwas gelungen ist, wenn jemand etwas erreicht hat, wenn ein erfreuliches Ereignis eintritt - manchmal auch dann, wenn jemand einfach Glück hatte. Gratulieren heißt: Ich freue mich mit dir. Ich erkenne an, dass dir etwas Gutes widerfahren ist. Dein Leben ist an dieser Stelle reicher geworden.
Unsere Glückwünsche haben fast immer mit positiven Umständen zu tun. Mit Stärke, Erfolg, Freude, Anerkennung. Und das ist gut so. Das gehört zum menschlichen Miteinander.
Doch heute hören wir im Evangelium von ganz anderen Glückwünschen. Jesus sagt nicht: Selig sind die Erfolgreichen, die Durchsetzungsstarken, die Bewunderten. Er sagt:
„Selig die Armen im Geiste. Selig die Trauernden. Selig die Sanftmütigen. Selig die, die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit.“
Das sind Menschen, denen wir normalerweise nicht gratulieren. Im Gegenteil: Oft wissen wir nicht einmal, was wir ihnen sagen sollen. Manchmal wechseln wir lieber die Straßenseite.
Diese Art zu beglückwünschen ist aber keine Neuerfindung Jesu. Schon im Antwortpsalm – im gewissermaßen „Gebetbuch“ des Alten Testaments – begegnen wir einem Gott, der Menschen seligpreist, denen sonst niemand gratuliert. Und er bleibt nicht bei schönen Worten stehen. Der Psalm sagt ganz nüchtern und kraftvoll:
„Recht verschafft er den Unterdrückten, den Hungernden gibt er Brot; der HERR befreit die Gefangenen. Der HERR öffnet den Blinden die Augen, er richtet die Gebeugten auf. Der HERR liebt die Gerechten. Der HERR beschützt die Fremden und verhilft den Waisen und Witwen zu ihrem Recht“.
Gott beglückwünscht also nicht nur die Schwachen – er stellt sich auf ihre Seite. Er handelt. Er richtet auf, er schützt, er hilft. Genau in dieser Linie stehen die Seligpreisungen Jesu.
Der hl. Paulus bestätigt das in der zweiten Lesung ausdrücklich. Er schaut die Gemeinde von Korinth an – und sagt im Grunde: Schaut euch doch selbst an. Nicht die Starken, nicht die Einflussreichen, nicht die gesellschaftlich Bewunderten stehen im Mittelpunkt von Gottes Plan. Paulus formuliert es scharf und klar: Gott hat das Niedrige in der Welt und das Verachtete erwählt, das, was nichts gilt.
Psalm, Evangelium und Apostel sagen also dasselbe – aus drei Blickwinkeln: Gott denkt anders. Gott wählt anders. Gott gratuliert anders.
Jesus widerspricht damit unseren Glückwünschen, die wir üblicherweise anbringen, nicht. Er verbietet sie nicht. Er macht sie nicht lächerlich. Aber er weitet unseren Blick. Er sagt: Glück hängt nicht nur an äußeren Umständen. Leben gelingt nicht nur dort, wo alles glatt läuft. Gott ist nicht nur bei denen, die stark sind, sondern gerade bei denen, die ihre Bedürftigkeit spüren.
„Selig“ heißt ja nicht: Jetzt ist alles gut.
„Selig“ heißt: Du bist von Gott gesehen. Dein Leben hat Gewicht. Du bist nicht vergessen – auch nicht in deiner Armut, in deiner Trauer, in deiner Ohnmacht.
Und damit sind wir bei einer ganz konkreten Frage für die kommenden Tage:
Wem könnte ich gratulieren – im Sinne Jesu? Vielleicht nicht mit den Worten „Herzlichen Glückwunsch“, aber mit einem ehrlichen Wort der Anerkennung.
- Vielleicht dem Menschen, der tapfer eine schwere Situation trägt.
- Vielleicht der Mutter oder dem Vater, der sich aufreibt, ohne Applaus zu bekommen.
- Vielleicht dem alten Menschen, der einsam ist und dennoch nicht verbittert.
- Oder vielleicht auch mir selbst, wenn ich einen Schritt der Sanftmut, der Geduld, der Barmherzigkeit wage.
Vielleicht kann unser „Gratulieren“ im Sinne Jesu darin bestehen, jemandem zu sagen – oder zu zeigen: Ich sehe dich. Dein Weg ist nicht umsonst. Gott ist dir nahe.
Wenn wir so beginnen, mit den Augen Gottes zu sehen, dann werden aus den Seligpreisungen keine fremden, frommen Worte mehr.
Dann werden sie zu einer Einladung, Glück neu zu verstehen – und es dort zu entdecken, wo Gott es schon längst verheißen hat.

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