3. Sonntag i. Jkr - Lj. C (Sonntag des Wortes Gottes)
Liebe Brüder und Schwestern!
Wenn Sie die Lesung aus dem Buch Nehemia hören, die heute als erste Lesung vorgesehen ist, dann kommt Ihnen da vielleicht etwas bekannt vor: Der Priester Esra steht auf einem erhöhten Platz und liest aus der hl. Schrift vor und gibt Erklärungen dazu. - Ich denke, Sie wissen, worauf ich anspiele, nämlich auf den ersten Teil der heiligen Messe, den sogenannten "Wortgottesdienst", oder wie es im Messbuch genauer heißt, die "Liturgie des Wortes Gottes".
Der dritte Sonntag im Jahreskreis ist von Papst Franziskus vor einigen Jahren zum Sonntag des Wortes Gottes erklärt worden, sodass es sich anbietet, heute ein paar Worte zu diesem ersten Hauptteil unserer Messliturgie zu verlieren.
Nach den Eröffnungsriten beginnt ja der Wortgottesdienst mit der ersten Lesung, die an den Sonntagen, außer in der Osterzeit, in der Regel aus dem Alten Testament stammt, aus dem ersten Teil der hl. Schrift, der uns großteils mit gläubigen Juden gemeinsam ist. In christlicher Sicht dürfen wir das Alte Testament auch als eine Art Vorbereitung auf das Kommen Jesu sehen, der das Wort, die Kommunikation Gottes, in Person ist und so in einem ganz umfassenden Sinn sagen konnte: Heute hat sich das Wort der Schrift, das Wort des Alten Testamentes erfüllt - wie wir im Evangelium gehört haben. Heute hat sich die Kommunikation Gottes mit der Welt erfüllt, ist zu einer Fülle, zu einem Höhepunkt gekommen.
Nach dieser ersten Lesung folgt ein Antwortgesang, der eigentlich selbst aus der hl. Schrift stammt. Vorgesehen ist ein Psalm, ein biblisches Gebet aus dem Buch der Psalmen. Dieser Antwort-Psalm sollte nur im Ausnahmefall durch ein geeignetes Lied ersetzt werden, weil er eben einerseits Antwort auf die Lesung ist - das kann ein Lied auch sein, anderseits ist er selbst biblische Lesung, Verkündigung eines wichtigen Buches des Alten Testaments, des Gebetsbuches, aus dem auch Jesus selbst gebetet hat.
Nach der ersten Lesung und der Antwort darauf folgt dann an Sonntagen und Hochfesten noch eine zweite Lesung, die aus dem Neuen Testament, meist aus den Briefen genommen ist. Bei der Auswahl dieser zweiten Lesung hat die Liturgiereform weniger eine einheitliche Thematik der Lesungstexte vor Augen gehabt, sondern dass aus den Briefen des Neuen Testaments, sozusagen der Kommunikation Gottes, die durch die Apostel weitergeführt wird, fortlaufend gelesen wird. Im Moment wird in der Sonntagsmesse aus dem ersten Korintherbrief des hl. Paulus gelesen.
Nach der zweiten Lesung kommt dann der Höhepunkt des Wortgottesdienstes, nämlich das Evangelium. Auch dieses Evangelium wird fortlaufend gelesen, heuer das Lukasevangelium. Das Evangelium ist der Höhepunkt des Wortgotttesdienstes nicht weil es eine andere Qualität von Wort Gottes wäre, weil es etwa mehr oder besser das Wort Gottes enthalten würde, sondern rein - sagen wir - psychologisch, weil darin direkt von Jesus Christus, von seinem Leben, Wirken und Lehren berichtet wird. Deshalb wird die Verkündigung des Evangeliums auch mit großer Festlichkeit umgeben: die vorangehende Begrüßung des Evangeliums im Hallelujaruf, die Verkündigung durch den Diakon oder Priester, der dazu ein eigenes Vorbereitungsgebet spricht, im feierlichen Gottesdienst Leuchter und Weihrauch sowie ein eigenes wertvolles Buch, das sogenannte Evangeliar. Ich habe ja anlässlich meiner Amtseinführung jeder der vier Pfarren in unserem Pfarrverband eine Ausgabe dieses Evangeliars geschenkt, die wir ab heute jetzt auch jeden Sonntag im Gottesdienst verwenden wollen.
Nach dem Evangelium - da stehen wir im Moment gerade in der Feier der hl. Messe - kommt dann die Homilie, die Predigt, die ausgehend von den liturgischen Texten versuchen soll, das Gehörte für unser heutiges alltägliches Leben fruchtbar zu machen.
Und schließlich antworten wir an Sonn- und Feiertagen auf die Verkündigung des Wortes Gottes mit unserem Glaubensbekenntnis, sagen wir damit: Ja, daran glaube ich. Das Wort Gottes ist etwas, an dem ich mich auch in meinem alltäglichen Leben festhalten kann.
Den Abschluss des Wortgottesdienstes bilden dann noch die Fürbitten, das "Gebet der Gläubigen". Nachdem Gott zu uns gesprochen hat, dürfen wir uns sozusagen auch vertrauensvoll an ihn wenden.
Liebe Brüder und Schwestern!
Ich denke, ich habe Ihnen damit jetzt nicht viel Neues erzählt, aber ich glaube, es tut uns gut, hin und wieder auch ganz bewusst darauf hinzuschauen, was wir feiern, wie wir es feiern und warum wir es so feiern.
Wenn Sie von diesem Ablauf des Wortgottesdienstes etwas mitnehmen wollen, dann vielleicht diese Grundstruktur von Wort und Antwort, die wir daraus ablesen können: Wir hören die Lesung, antworten im Psalm bzw. Lied, wir hören das Evangelium, beschäftigen uns damit in der Predigt und antworten mit dem Glaubensbekenntnis. Und wir antworten generell auf die Verkündigung des Wortes Gottes mit unserem Gebet in den Fürbitten. - Die Struktur des Wortgottesdienstes möchte uns in einen Dialog mit dem Wort Gottes bringen. Und wenn einmal Texte dabei sind, die nicht gleich verständlich sind, die uns beschäftigen aber, weil es doch manchmal sehr viele verschiedene Texte sind (Zwei Lesungen, Psalm, Evangelium), nicht immer in der Predigt behandelt werden können, dann soll uns das noch mehr zu einem Dialog mit Gottes Wort, ja mit Gott selbst einladen - und zwar nicht nur während des Wortgottesdienstes oder während der Messe, sondern vor allem auch danach, wenn wir durch Gottes Wort und Sakrament gestärkt, hinausgehen in unseren Alltag.
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