Samstag, 24. Oktober 2020

25. Oktober 2020 - Kirchweihfest (solemnitas externa) mit Vorstellung des Projektes "Eichgrabener Evangelium"

Liebe Brüder und Schwestern!

Zum Kirchweihfest brennen in den Kirchen oft 12 Kerzen bei den sogenannten Apostelkreuzen, an den Stellen, an denen die Mauern der Kirche mit Chrisam gesalbt wurden. Bei uns sind diese Kreuze bei einer Innenrenovierung leider einmal übermalt worden; dafür haben wir heute eine Kerze beim Grundstein angezündet.

So oder so ist das Kirchweihfest eine Gelegenheit, auch über die Fundamente der Kirche nachzudenken. Und damit meine ich nicht das Bauwerk unseres Wienerwalddomes, sondern das, wofür er steht: die Gemeinschaft der Kirche und unserer Pfarre. Was gibt uns Halt? Worauf sind wir gebaut? Was ist unser Fundament?

Der hl. Paulus verwendet im Epheserbrief zu einer Zeit, in der es noch gar keine Kirchenbauten im heutigen Sinn gegeben hat, bereits das Bild vom Bauwerk für die Gemeinschaft der Kirche. Diese Gemeinschaft ist Wohnung Gottes. Dort, wo sich Menschen zusammenfinden, die zu Christus und zu Gott gehören wollen, dort will er selbst gegenwärtig sein, dort wird seine Wohnung errichtet. Ja, dort wird auch das bereits Wirklichkeit, was Johannes in der Offenbarung im Bild der himmlischen Stadt sehen darf:

"Seht die Wohnung Gottes unter den Menschen! Er wird in ihrer Mitte wohnen ... Er wird alle Tränen abwischen. Der Tod wird nicht mehr sein, keine Traue, keine Klage, keine Mühsal."

Aber nochmals zurück zu Paulus.
Paulus war von Beruf Zeltmacher. Er hat zwar keine festen Beton- und Steinfundamente gegraben, er weiß aber sehr wohl, dass eine gute Verankerung im Boden notwendig ist; sonst würde das Zelt, die Wohnung, etwa vom Wind weggeweht werden.
So spricht er auch bei der Wohnung Gottes, die wir selbst sein sollen, vom Fundament:

"Ihr seid auf das Fundament der Apostel und Propheten gebaut; der Eckstein ist Christus Jesus selbst."

Ohne diesen Rückbezug auf Christus, auf den die Propheten hinweisen und der die Apostel mit seiner Nachfolge betraut hat, ist es nicht möglich, Wohnung Gottes, also Kirche zu sein. Wir können dann vielleicht eine große Gemeinschaft sein, können vielleicht schöne Feste feiern, können im Wienerwalddom ein beeindruckendes Bauwerk sehen; aber Kirche, Wohnung Gottes können wir und kann unser Gotteshaus nur sein, wenn wir feststehen auf dem Fundament der Apostel und Propheten und so mit Jesus Christus selbst verbunden bleiben.

Liebe Brüder und Schwestern!

Vor 69 Jahren ist unsere Kirche geweiht worden. Wir beginnen also ein Jahr der Vorbereitung auf das 70-jährige Kirchweihjubiläum.

Ein solches Vorbereitungsjahr soll uns auch helfen, uns der Fundamente unseres Kircheseins zu erinnern. Ein konkretes Projekt in diesem Jahr soll dazu das sogenannte "Eichgrabener Evangelium" werden.

Was ist damit gemeint?
Die Grundidee ist, dass es zu solchen Jubiläen oft Festschriften gibt mit verschiedenen geschichtlichen Beiträgen, etwa über die Geschichte unserer Kirche und Pfarre in den letzten 70 Jahren. Und so eine Festschrift ist eben für nächstes Jahr geplant. Aber der größte Teil dieses Buches soll dem Fundament der Kirche gewidmet sein: der Frohen Botschaft von Jesus Christus, auf der auch wir als Pfarre aufbauen dürfen.

So sind Sie, liebe Pfarrangehörige, eingeladen, jeweils einen längeren Abschnitt des Markusevangeliums, das im kommenden Jahr hauptsächlich an den Sonntagen gelesen werden wird, mit der Hand zu schreiben. Sich mit dem Text auf diese ganz einfache Weise auseinandersetzen, sich mit dem Fundament beschäftigen - das soll diese Vorbereitungszeit auf unser Kirchweihjubiläum im Oktober 2021 prägen.

Wenn Sie dieses Projekt "Eichgrabener Evangelium" durch das Schreiben eines Abschnittes unterstützen wollen, finden Sie hinten in der Kirche einen Tisch mit den nötigen Vorlagen und Erklärungen. Einfach eine Textvorlage mitnehmen und sich in die Liste eintragen! Den fertig geschriebenen Text dann bitte bis Ende Februar wieder abgeben, damit er für den Druck vorbereitet werden kann!

Wenn Ihnen bei der Beschäftigung mit dem Text Fragen kommen, Anmerkungen, Erkenntnisse oder dergleichen, können Sie diese gerne ebenfalls auf einem Extra-Blatt abgeben. Nach Möglichkeit werden diese Anmerkungen dann anonymisiert in einem eigenen Kapitel der Festschrift aufgegriffen.

Ich hoffe, ich konnte nun den einen oder anderen dafür begeistern, am "Eichgrabener Evangelium" mitzuschreiben und sich mit dem Fundament der Kirche zu beschäftigen, das Jesus Christus selber ist, der uns im Evangelium begegnet.

Lassen wir ihm auf jeden Fall - nicht nur in diesem Vorbereitungsjahr - einen Platz in unserem Leben! Laden wir ihn ein, zu uns zu kommen und bei uns zu wohnen, damit die Worte des Kirchweihevangeliums auch für uns als Gemeinschaft und für jeden einzelnen Realität werden:

"Heute ist diesem Haus Heil geschenkt worden."


Schrifttexte:
Offb 21,1-5a
Eph 2,19-22
Lk 19,1-10