7. Ostersonntag - Lj. A
Liebe Schwestern und Brüder!
„Das ist einfach herrlich!“ - „Was für ein herrlicher Tag!“ - „Eine herrliche Aussicht!“
Wir sagen das ganz spontan. Wenn uns etwas tief berührt. Wenn wir staunen. Wenn wir Freude empfinden. Wenn wir spüren: Da ist etwas Schönes, etwas Großes, etwas, das über den Alltag hinausweist.
„Herrlich“ – das ist ein Wort voller Licht und Freude.
Und genau dieses Wort begegnet uns heute im Evangelium. Jesus spricht kurz vor seinem Leiden sein großes Abschiedsgebet zum Vater. Und darin sagt er:
„Vater, verherrliche deinen Sohn … Ich habe dich auf der Erde verherrlicht; jetzt verherrliche du mich.“
Immer wieder hören wir dieses Wort: Herrlichkeit. Verherrlichen. Im griechischen Urtext steht dafür das Wort doxa. Ein sehr reiches Wort. Es bedeutet nicht nur äußeren Glanz oder Ruhm. Doxa meint die göttliche Herrlichkeit, die Gegenwart Gottes, sein Licht, seine Größe, seine Schönheit, seine Wahrheit. Dort, wo Gottes doxa aufstrahlt, dort wird etwas vom Himmel sichtbar.
Interessant ist: Dieses Wort begegnet uns, zumindest im Lukasevangelium, schon ganz am Anfang des Lebens Jesu. In der Weihnachtsnacht singen die Engel:
„Ehre/Doxa sei Gott!“
Die doxa, die Herrlichkeit Gottes kommt mit Jesus auf die Erde. In ihm wird sichtbar, wie Gott ist.
Und wie zeigt Jesus diese Herrlichkeit? Nicht durch Macht. Nicht durch Gewalt. Nicht durch äußeren Erfolg. Sondern durch Liebe. Durch Hingabe. Durch Barmherzigkeit. Durch Treue bis zum Kreuz.
Gerade im Johannesevangelium geschieht etwas Paradoxes: Das Kreuz wird zur Verherrlichung Jesu. Dort leuchtet die Herrlichkeit Gottes auf – weil dort sichtbar wird, wie grenzenlos Gott liebt.
Jesus sagt heute:
„Ich habe dich auf der Erde verherrlicht.“
Das heißt: In meinem Leben konnten die Menschen erkennen, wie Gott wirklich ist.
Und dann kommt ein Satz, der uns aufhorchen lassen muss. Jesus sagt über seine Jünger:
„In ihnen bin ich verherrlicht.“
Nicht nur in Jesus soll die Herrlichkeit Gottes sichtbar werden. Auch in uns. Das ist eigentlich das Ziel eines christlichen Lebens: Dass durch uns etwas von Gottes Herrlichkeit aufstrahlt. Dass Menschen durch uns ahnen: So ist Gott.
Oft geschieht das nicht durch große Worte oder spektakuläre Taten, sondern ganz schlicht:
- Wenn jemand geduldig bleibt, obwohl es schwer ist.
- Wenn jemand Frieden stiftet statt Streit zu vermehren.
- Wenn jemand ehrlich ist.
- Wenn jemand Hoffnung ausstrahlt.
- Wenn jemand Zeit schenkt.
- Wenn jemand vergeben kann.
- Wenn jemand nicht nur um sich selbst kreist.
Dann geschieht etwas von dieser doxa Gottes mitten in der Welt. Vielleicht sagen die Menschen dann nicht ausdrücklich: „Da sehe ich Gott.“ Aber vielleicht denken sie: „Wie schön!“ - „Wie wohltuend!“ - „Wie herrlich!“
Genau das meint Jesus. Die Herrlichkeit Gottes soll nicht im Himmel verborgen bleiben. Sie soll in unserem Leben sichtbar werden.
Darum feiern wir jetzt auch die letzten Tage der Osterzeit. Christus ist zum Vater in den Himmel gegangen – aber seine Herrlichkeit soll weiterleuchten in seiner Kirche, in seinem Wort, in den Sakramenten, in den Heiligen, in uns.
Vielleicht könnten wir uns heute fragen:
Wo kann in meinem Leben etwas von Gottes Herrlichkeit sichtbar werden? In meiner Familie? In meiner Art zu reden? Im Umgang mit schwierigen Menschen? In meinem Glauben? In meiner Hoffnung?
Jesus traut uns das zu. Er betet nicht nur für die Jünger damals. Er betet auch für uns.
Vielleicht wird dann manchmal – ganz unscheinbar – durch einen Christen etwas sichtbar, das Menschen staunen lässt, sodass sie ausrufen: "Ach, wie herrlich!"

Kommentare
Kommentar veröffentlichen