28. Juni 2026 - Petrus und Paulus (solemnitas externa) - Patrozinium St. Peter in der Au
Liebe Brüder und Schwestern!
Heute feiern wir das Patrozinium unserer Pfarrkirche. Wir feiern unsere Kirchenpatrone, die heiligen Petrus und Paulus. Und in diesem Jahr drängt sich dabei fast von selbst ein Bild auf, das uns in St. Peter in der Au seit langem beschäftigt: das Bild unserer Pfarrkirche selbst.
Seit zwei Jahren warten wir auf die Sanierung des Kirchendaches. Ich selbst kenne unsere Pfarrkirche gar nicht ohne das Schutzgerüst, das vor herunterfallenden Ziegeln schützen soll. Manchmal hat man den Eindruck gehabt, es geht gar nichts mehr weiter, die Verhandlungen mit dem Bundesdenkmalamt führen von einer Sackgasse in die nächste. Doch nun sind endlich die notwendigen Entscheidungen gefallen. Das Bundesdenkmalamt hat grünes Licht gegeben, und bald können die Arbeiten beginnen - am Ende der hl. Messe wollen A. H. und ich noch ein paar Worte dazu sagen.
Doch zurück zu unserem Patrozinium. Denn vielleicht können uns im Bild unserer Pfarrkirche Petrus und Paulus heute neu etwas über unsere Kirche lehren.
Da ist zunächst der hl. Petrus. Er steht für das Fundament. Im Evangelium hören wir sein großes Bekenntnis: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.“ Auf dieses Bekenntnis antwortet Jesus: „Du bist Petrus – der Fels –, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen.“ Nicht die Stärke des Petrus ist das Fundament der Kirche. Wir wissen, wie oft er versagt hat. Das Fundament ist sein Glaube an Christus. Sein Vertrauen. Seine Bereitschaft, sich von Jesus immer wieder aufrichten zu lassen. Eine Kirche kann nur stehen, wenn das Fundament trägt. Das gilt für dieses Gebäude aus Stein. Das gilt aber noch viel mehr für die Kirche aus lebendigen Steinen, für die Gemeinschaft der Gläubigen. Die entscheidende Frage lautet deshalb: Worauf bauen wir unser Leben? Ist Christus wirklich das Fundament unseres Denkens, unserer Entscheidungen, unserer Familien, unserer Pfarre, unseres Pfarrverbandes? Ohne Fundament kann kein Haus bestehen.
Doch ein Haus braucht nicht nur ein Fundament. Es braucht auch ein Dach - davon können wir in St. Peter ja auch ein Lied singen. Und hier kommt der hl. Paulus ins Spiel. Von seinem Beruf her ist Paulus Zeltmacher gewesen. Er hat gewusst, wie man etwas überspannt, wie man Schutz schafft und Raum eröffnet. Als Apostel hat er genau das getan: Er hat die Botschaft Christi weit ausgespannt über Länder, Kulturen und Sprachgrenzen hinweg. Er hat das Evangelium hinausgetragen bis an die Enden des römischen Imperiums, sozusagen der damals bekannten Welt. Wenn Petrus für das Fundament steht, dann könnte Paulus für das Dach stehen. Ein Dach schützt. Es macht aus Fundament und Mauern ein bewohnbares Haus. Es spannt sich weit aus. Es öffnet Raum für viele Menschen. Darin liegt auch eine wichtige Botschaft für uns.
Man könnte sagen: Petrus sorgt dafür, dass die Kirche fest steht. Paulus sorgt dafür, dass sie weit wird. Und beides braucht die Kirche bis heute.
Manchmal kann man versucht sein, sich nur um das Fundament zu kümmern: um die Bewahrung des Glaubens, um die Tradition, um das, was uns trägt. Das ist wichtig und unverzichtbar.
Manchmal kann man umgekehrt versucht sein, nur an die Ausbreitung zu denken: an Projekte, Aktivitäten und neue Wege.
Aber das eine ohne das andere genügt nicht. Ein Fundament ohne Dach bleibt unvollendet. Ein Dach ohne Fundament stürzt ein.
Darum feiern wir heute nicht nur Petrus und nicht nur Paulus, sondern beide gemeinsam. Und wir dürfen uns anlässlich dieses Patroziniums selber fragen:
Wo bin ich gerufen, Petrus - Fundament - zu sein? Wo darf ich meinen Glauben vertiefen, Christus neu als Mitte meines Lebens bekennen?
Und wo bin ich gerufen, Paulus - weit ausgespanntes Dach - zu sein? Wo kann ich den Glauben weitergeben, durch ein Wort, durch ein Zeugnis, durch einen Dienst am Nächsten?
Denn die Kirche besteht nicht nur aus Mauern, Türmen und Dächern. Natürlich freuen wir uns, dass unser Kirchendach nun endlich erneuert werden kann. Es ist ein wichtiges Zeichen. Es zeigt, dass uns dieses Gotteshaus am Herzen liegt. Aber die eigentliche Kirche baut Christus aus uns Menschen. Sie wird dort vollständig, wo Menschen wie Petrus auf den Glauben bauen und wie Paulus den Glauben weitertragen. Dann entsteht eine Kirche mit festem Fundament und weitem Dach. Dann wird sichtbar, was wir heute feiern: eine Gemeinschaft, die auf Christus gegründet ist und seine Botschaft weit in die Welt hinausträgt.
Bitten wir die heiligen Apostel Petrus und Paulus, dass sie für unsere Pfarre, unseren Pfarrverband, unsere Diözese, für die ganze Kirche Fürsprecher sind: damit unsere Pfarrkirche hier in St. Peter jetzt endlich ein neues Dach erhält – und damit wir selbst immer mehr zu lebendigen Bausteinen der Kirche Christi werden.
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