Mariä Aufnahme in den Himmel - Am Tag

Liebe Brüder und Schwestern!

Wir alle kennen die Redewendung: "Jemandem etwas durch die Blume sagen." Wenn jemand etwas nicht direkt ausspricht, sondern eher beiläufig, vielleicht ein wenig versteckt, dann sagen wir: Er hat es mir "durch die Blume" gesagt.

Heute dürfen wir diese Redewendung einmal ganz wörtlich nehmen. An diesem Festtag bringen wir Blumen und Kräuter mit in die Kirche. Sie werden gesegnet. Ein schöner, alter Brauch zu Mariä Himmelfahrt. Aber vielleicht möchte Gott uns heute tatsächlich "durch die Blume" etwas sagen.

Denn eigentlich feiern wir heute etwas, das auf den ersten Blick vor allem Maria betrifft. Wir feiern ihre Aufnahme in den Himmel. Und die Kirche betont dabei ganz ausdrücklich: Maria wurde mit Leib und Seele in die Herrlichkeit des Himmels aufgenommen. Man könnte sich fragen: Ist das wirklich so wichtig? Würde es nicht genügen zu sagen: Maria ist bei Gott? Warum muss eigens davon gesprochen werden, dass sie mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen wurde?

Weil Gott uns mit dieser Aussage über Maria "durch die Blume" auch etwas über uns selbst sagt. Gott sagt damit: Für mich zählt der ganze Mensch. Nicht nur unsere Seele. Nicht nur unsere Gedanken. Nicht nur das, was wir glauben und beten. Sondern der ganze Mensch – mit Leib und Seele.

Das Christentum ist keine Religion, die diese Welt möglichst schnell hinter sich lassen möchte, um irgendwann nur noch rein vergeistigt im Himmel zu leben. Gott selbst ist in Jesus Christus Mensch geworden. Er hat einen menschlichen Leib angenommen. Er hat gegessen und getrunken, Menschen berührt, Müdigkeit und Schmerzen gespürt. Er ist leibhaftig auferstanden. Und heute feiern wir: Auch Maria ist mit Leib und Seele bei Gott vollendet.

Der ganze Mensch gehört zu Gott, das feiern wir an Maria - und das feiern wir "durch die Blume" ganz allgemein für die ganze Menschheit.

Und um die Redewendung jetzt einmal wörtlich zu nehmen: Die Blumen und Kräuter, die wir heute segnen, sagen uns tatsächlich etwas von diesem Fest. Der Inhalt des heutigen Festes wird buchstäblich "durch die Blume" ausgedrückt. Die Kräuter und Blumen wachsen aus unserer Erde. Sie brauchen Sonne und Regen. Man kann sie sehen, riechen, berühren. Und gerade etwas so Irdisches wird zum Zeichen für den Himmel. Gott sagt uns durch die Blume: Meine Ewigkeit ist keine Verachtung dieser Welt, sondern ihre Vollendung.

Die Schönheit einer Blume vergeht. Wir wissen das. Noch so schön kann ein Blumenstrauß heute sein – irgendwann verwelkt er. Und genauso erleben wir die Vergänglichkeit an uns selbst. Unser Leib wird müde. Er wird krank. Wir werden älter. Und irgendwann endet unser irdisches Leben. Aber das Fest Mariä Himmelfahrt sagt: Die Vergänglichkeit hat nicht das letzte Wort. Maria steht heute vor uns als Zeichen dafür, was Gott mit dem Menschen vorhat. Was an ihr schon vollendet ist, darauf dürfen wir für uns hoffen: dass Gott unser Leben nicht einfach vergehen lässt, sondern es vollenden möchte.

Im Evangelium singt Maria: "Meine Seele preist die Größe des Herrn und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter." Und sie spricht von einem Gott, der die Niedrigen erhöht, der sich der Menschen erbarmt und seine Verheißungen nicht vergisst.

Maria hat ihr ganzes Leben diesem Gott anvertraut. Und heute feiern wir: Gott hat dieses Vertrauen nicht enttäuscht. Das ist die Botschaft, die Gott an diesem Fest auch uns "durch die Blume" sagen möchte: Du bist mir wichtig. Nicht irgendein Teil von dir. Du als ganzer Mensch. Mit deiner Seele und deinem Leib. Mit deiner Geschichte. Mit dem Schönen und dem Schweren, das zu deinem Leben gehört. Du bist mir sogar so wichtig, dass ich dich als ganzen Menschen in Ewigkeit bei mir haben möchte.

Wenn wir heute unsere Blumen und Kräuter segnen lassen, dann dürfen sie uns daran erinnern. Ihre Schönheit ist vergänglich. Aber sie weist auf eine Schönheit hin, die nicht vergeht. Maria ist uns auf diesem Weg schon vorausgegangen. An ihr zeigt uns Gott, was er auch mit uns vorhat.

Oder, ganz einfach gesagt: Heute sagt uns Gott durch die Blume: Du bist mir wichtig – als ganzer Mensch. Und ich möchte, dass du ganz bei mir bist. Nicht nur heute. Sondern in Ewigkeit.

Zu den liturgischen Texten

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