Hl. Jakobus (solemnitas externa zum Patrozinium in Kürnberg)

Liebe Brüder und Schwestern!

Wenn man in diesen Wochen nach Kürnberg kommt, fällt sofort etwas auf: Unsere Kirche trägt ein Gerüst. Die Fassade wird renoviert. Es wird gereinigt, ausgebessert und erneuert. Das ist wichtig. Eine Kirche soll schön sein. Sie soll zeigen: Hier wohnt nicht irgendwer, sondern hier versammelt sich das Volk Gottes.

Aber gerade diese Baustelle stellt uns heute auch eine vielleicht unbequeme Frage: Reicht eine schöne Fassade?

Ich denke, die Antwort kennen wir alle. Ein Haus kann außen makellos aussehen und innen bereits Schäden haben. Umgekehrt kann ein Gebäude außen noch eingerüstet sein und innen voller Leben.

Vielleicht ist das gerade ein schönes Bild für unser Patrozinium. Wir feiern heute den heiligen Jakobus. Im Evangelium begegnet er uns nicht gerade in seiner besten Stunde. Seine Mutter bittet Jesus um die Ehrenplätze: einer rechts, einer links von ihm. Es geht um Ansehen. Um einen guten Platz. Um das, was nach außen sichtbar ist.

Jesus weist diese Bitte nicht schroff zurück. Aber er lenkt den Blick auf das Wesentliche. Nicht: Wo sitzt ihr? Sondern: Seid ihr bereit, meinen Kelch zu trinken? Mit anderen Worten: Nicht die Fassade entscheidet. Nicht der Ehrenplatz. Nicht das Ansehen. Entscheidend ist, ob ein Mensch innerlich mit Christus verbunden ist.

Jakobus hat diese Lektion gelernt. Am Anfang denkt er noch an Größe und Ehre. Am Ende seines Lebens ist er der erste der Apostel, der sein Leben für Christus hingibt. Er hat den Kelch Jesu tatsächlich getrunken. Nicht den Kelch des Erfolges, sondern den Kelch der Treue.

Genau deshalb ist er uns Schutzpatron und Vorbild. Nicht weil er vollkommen gewesen wäre. Sondern weil Christus ihn verwandelt hat.

Sicher ist das auch eine Botschaft für unsere Pfarrgemeinde und unseren Pfarrverband. Wir investieren viel Zeit, Geld und Mühe in die Renovierung unserer Kirchen. Das ist gut. Dieses Gotteshaus ist ein kostbares Erbe vieler Generationen. Wir tragen Verantwortung dafür.

Aber zugleich fragt uns das Patrozinium: Wie sieht es mit der anderen Renovierung aus? Mit der Renovierung unseres Glaubens? Mit der Renovierung unseres Gebets? Mit der Renovierung unserer Liebe?

Eine Kirche wird nicht dadurch lebendig, dass ihre Mauern schön aussehen. Sie lebt dadurch, dass Menschen in ihr beten. Dass hier Hoffnung wächst. Dass hier im Sakrament der Beichte vergeben wird. Dass hier Menschen in Wort und Sakrament Christus begegnen.

Die erste Lesung lässt Jesaja sagen: „Hier bin ich, sende mich!“ Das ist eigentlich das Gegenteil von der Bitte der Zebedäussöhne. Sie fragen: „Welchen Platz bekomme ich?“ Jesaja sagt: „Welchen Auftrag gibst du mir?“

Und genau diesen Weg ist Jakobus schließlich auch gegangen. Und es sollte auch der Weg für uns sein. Nicht zuerst fragen: Welchen Platz habe ich? Sondern:

Wie kann ich dienen? Wo braucht Gott mich?

Dann wird die renovierte Fassade auch Ausdruck dessen, was im Inneren lebt. Möge unsere Pfarrkirche nach Abschluss der Arbeiten nicht nur schöner aussehen. Möge sie vor allem das bleiben, was sie seit Generationen sein will: ein Ort, an dem Menschen Christus begegnen; ein Ort, an dem Menschen lernen, seinen Kelch zu trinken; ein Ort, an dem Menschen – wie der heilige Jakobus – Schritt für Schritt zu seinen Jüngern werden.

Dann wird nicht nur unser Kirchengebäude erneuert.

Dann erneuert Gott auch uns.

Zu den liturgischen Texten (als zusätzliche erste Lesung wurde Jes 6,1–8 gewählt)

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