3. Ostersonntag - Lj. A (mit Vorstellung der Symbolik des geplanten neuen Ambo in Weistrach)
Liebe Brüder und Schwestern!
Heute steht uns in unserer Pfarrkirche dieser Stein vor Augen. Es ist kein glatter, kein einheitlicher Stein, sondern ein Konglomerat: viele Stücke, viele Einschlüsse, unterschiedliche Formen, Farben, Brüche. Nichts daran ist vollkommen gleichmäßig. Da sind Kanten, Ausbuchtungen, Löcher, Spannungen im Material. - Und genau dieser Stein ist vorgesehen für den neuen Ambo, für den Ort der Verkündigung der Frohen Botschaft in unserer Pfarrkirche.
Viele haben sich diesen Stein in den letzten Tagen angesehen. Manche haben gesagt: Das passt doch nicht zum Altar oder zur Kirche. Andere sind einfach überrascht gewesen. Und vielleicht ist es Ihnen ähnlich gegangen. Man bleibt an diesem Stein hängen. Er ist nicht selbstverständlich. - Und ich meine: Genau darin kann auch seine Stärke liegen.
Schauen wir auf das heutige Evangelium: Die Jünger sind am See. Sie tun das, was sie kennen: sie gehen fischen. Dann steht da einer am Ufer, den sie nicht erkennen: Jesus, der Auferstandene, passt nicht einfach in ihr gewohntes Bild. Er ist da - aber anders. Er spricht mit ihnen - aber sie verstehen ihn nicht sofort. Er hat gewissermaßen noch "Ecken und Kanten" für sie. Erst als sie auf sein Wort hören, als sie das Netz auswerfen und sich führen lassen, öffnet sich ihnen der Blick und der Lieblingsjünger spricht es aus: Es ist der Herr. Und schließlich sitzen sie mit ihm am Feuer: Gemeinschaft, Nähe, Leben.
Ähnliches geschieht in der Lesung aus der Apostelgeschichte. Aus der Pfingstpredigt des hl. Petrus haben wir gehört. Es ist das erste Mal, dass einer der Apostel, jetzt nicht mehr eingeschüchtert von den Geschehnissen des Karfreitags, sondern erfüllt vom Hl. Geist, aufsteht und das Evangelium verkündet: öffentlich, klar, ohne Beschönigung. An einer anderen Stelle dieser Pfingstpredigt greift er das starke Bild aus dem Buch der Psalmen auf: der Stein, den die Bauleite verworfen haben, der aber zum Eckstein geworden ist. Ein Stein, der nicht passt. Ein Stein, der stört. Ein Stein, der abgelehnt wird. - Und gerade dieser wird zum tragenden Grund.
Liebe Brüder und Schwestern!
Für den hl. Petrus ist klar: Christus ist dieser Stein. Und auch sein Evangelium ist nicht immer ein glatter Text. Es ist nicht immer ein bequemes Wort. Es hat Ecken und Kanten. Es fordert heraus. Es stellt in Frage. Es lässt uns nicht einfach so weitermachen, wie wir es gewohnt sind.
Wenn wir nun diesen Stein anschauen - dieses Konglomerat -, dann sehen wir etwas ganz Ähnliches: Viele einzelne Teile sind darin verbunden. Nichts ist perfekt geordnet. Manches wirkt zunächst sogar "unruhig". Und doch: Es hält zusammen. Es trägt. Es ist fest. - Und genau so ist auch die Verkündigung des Evangeliums, die nicht aus glatten Sätzen besteht, die sich immer und überall einfügen, sondern aus Wahrheit, die auch anecken kann. Der Ambo als Ort der Verkündigung darf das sichtbar machen: Ja, er darf anecken. Ja, er darf Fragen aufwerfen. Ja, er muss sich nicht einfach einfügen. Denn das Wort Gottes selbst fügt sich nicht einfach ein, sondern will uns herausfordern und unser Leben verwandeln.
Liebe Brüder und Schwestern!
Die Jünger haben Jesus nicht sofort erkannt. Sie haben sich auf ihn einlassen müssen. Sie haben durch das Ungwohnte hindurchgehen müssen, durch das Nicht-Verstehen, bis sich ihnen die Augen geöffnet haben. Vielleicht ist dieser Stein, aus dem unser Ambo gefertigt werden soll, auch so ein kleiner Weg für uns: Ein Anstoß, eine Irritation, eine Einladung, tiefer hinzuschauen.
Nicht nur: Passt das? Sondern: Was sagt uns das?
Vielleicht sagt es uns: Habt keine Angst vor den Ecken und Kanten des Evangeliums! Habt keine Angst vor einem Christus, der euch herausfordert! Habt keine Angst davor, dass der Glaube nicht immer glatt ist.
Dann kann auch für uns gelten: Aus dem Fremden wird Nähe. Aus dem Anstoß wird tragender Grund. Aus dem Nicht-Erkennen wird die Gewissheit: Es ist der Herr.

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