Osternacht - Lesejahr A
Liebe Brüder und Schwestern!
In der Osternacht beginnt alles im Dunkel. Die Kirche ist finster. Vielleicht spüren wir etwas von der Finsternis, von der Ungewissheit, von der Leere, die auch die Jünger nach dem Tod Jesu erlebt haben: Jetzt ist alles aus!
Doch dann wird die Osterkerze am Feuer entzündet und in die Kirche gebracht. Dieses Licht ist Christus, der Auferstandene!
Und mitten hinein in diese sinnenfällige Darstellung des Ostergeschehens hören wir das Osterevangelium. Wir hören vom Auftrag des Auferstandenen an die Frauen: Geht zu meinen Brüdern und sagt ihnen, dass sie mich in Galiläa treffen sollen.
Liebe Brüder und Schwestern!
Galiläa ist kein zufälliger Ort. Dort hat alles begonnen. Dort hat Jesus die Jünger zum ersten Mal gerufen. Dort haben sie seine Worte gehört, seine Nähe gespürt, ihr Leben neu ausgerichtet. Galiläa ist der Ort der ersten Begegnung, der Ort, an dem ihr Glaube seinen Anfang genommen hat.
Und jetzt, nach dem Karfreitag, nach Angst und Versagen, nach Dunkelheit und Zweifel, sollen sie dorthin zurückkehren; zurück an den Anfang; dorthin, wo sie IHM begegnet sind.
Warum sozusagen zurück an den Start? Weil die Auferstehung kein völliger Neubeginn ist, der alles Vorherige auslöschen würde. Nein, sie ist vielmehr die Verwandlung, die Vervollkommnung von dem, was da ist. Der Auferstandene ist derselbe Jesus - aber jetzt in einer Tiefe, die alles übersteigt.
Darum gilt diese Einladung auch uns. Ich darf mich fragen: Wo ist mein Galiläa? Wo bin ich Jesus begegnet? - Vielleicht in einem stillen Gebet. Vielleicht in einer schwierigen Situation, in der plötzlich Hoffnung da gewesen ist. Vielleicht in einem Menschen, durch den ich Gottes Liebe erfahren habe.
Die Osternacht lädt uns ein, gerade in den dunklen Stunden unseres Lebens, dorthin zurückzukehren - nicht in Nostalgie oder Wehmut, sondern auf der Suche nach IHM, der nicht einfach irgendwo auf uns wartet, sondern an unsere Geschichte mit ihm, ja an unsere erste Begegnung mit ihm anknüpft.
Liebe Brüder und Schwestern!
Geht nach Galiläa - das heißt: Geht dorthin, wo euer Leben mit IHM begonnen hat, wo euer Glaube seine Wurzeln hat. Und lasst euch dort neu von ihm finden.
Wenn jetzt die Heiligen angerufen werden, diese große Schar derer, die ihr Leben mit ihm gegangen sind, und wenn dann das Taufwasser geweiht wird und wir unser Taufversprechen erneuern, dann dürfen wir wirklich nach Galiläa zurückkehren, dann dürfen wir uns von ihm wie damals bei unserer Taufe zusagen lassen: Ich lasse dich nicht im Dunkeln, ich nehme dich an als mein Kind, ich will das Licht für dein Leben sein, ich will dich hineinnehmen in die große Gemeinschaft derer, die mit mir und mit denen ich durchs Leben gehe.

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