Karfreitag - Feier vom Leiden und Sterben Christi


Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

In der Leidensgeschichte hören wir ein ganz unscheinbares Wort Jesu, im griechischen Original ist es wirklich nur ein einziges Wort: διψῶ - "Ich habe Durst".

Ein zutiefst menschliches Wort. Jesus leidet, sein Körper ist am Ende. Der Durst ist echt, er brennt in ihm und quält. - Und doch denkt der Evangelist Johannes, wenn er uns davon berichtet, sicher noch an mehr als an körperlichen Durst. Es ist ein Durst nach Leben, nach Liebe, nach dem Menschen - ja Jesus dürstet nach uns.

Vor einigen Wochen haben wir gehört, wie Jesus zur Frau am Jakobsbrunnen sagt: Wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben (vgl. Joh 4). Und später, bei der Brotvermehrung, wiederholt Jesus diese Zusage: Wer zu mir kommt, wird nicht mehr hungern und nicht mehr dürsten (vgl. Joh 6).

Und nun hängt er selbst am Kreuz und sagt: "Mich dürstet". - Wie passt das zusammen?

Vielleicht ist die Antwort ganz einfach die: Weil er selbst dürstet, kann er unseren Durst stillen. Weil er alles hingibt bis zum Letzten, wird er selbst zur Quelle für uns. Liebe, die sich verschenkt, ist nicht verloren, sondern vermehrt sich.

Liebe Brüder und Schwestern!

Wir kennen sicher auch unsere eigenen Durststrecken: Zeiten der Leere, der Erschöpfung, der inneren Trockenheit. Schon im Alten Testament wird die Sehnsucht nach Gott als Durst beschrieben, etwa im Psalm 63: "Meine Seele dürstet nach dir, mein Gott". Dieser Durst steckt in uns - die Sehnsucht nach Sinn, nach Trost, nach einem Leben, das trägt.

Der Karfreitag sagt uns: Gott ist gerade dort. In diesem Durst. In dieser Leere. In diesen Momenten des Aushaltens.

Jesus hat den Durst selbst durchlitten - bis in die letzte Tiefe. Und gerade deshalb ist seine Zusage wahr: Wer sich an ihm festhält, findet zur Quelle. Wer sich an ihn hält, dessen Durst wird gestillt werden.

"Mich dürstet", dieses Wort ist nicht nur Ausdruck von Leid. Es ist auch ein Ruf nach unserem Glauben. Jesus dürstet nach uns! Nach unserer Antwort, nach unserer Liebe.

Und zugleich ist dieses Wort eine Verheißung: Dass unser Durst nicht das letzte Wort hat. Dass Gott selbst ihn stillen wird. Dass aus seinem Kreuz Leben fließt.

Zu den liturgischen Texten

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