Fr d. 4. Osterwoche - Berufungswallfahrt Sonntagberg
Liebe Wallfahrer, liebe Brüder und Schwestern!
Ich lese Ihnen jetzt ein paar Zitate vor und Sie überlegen sich bitte, ob Ihnen diese Zitate bekannt vorkommen bzw. ob Sie sie heute in der Messe schon gehört haben:
"Diesen Jesus hat Gott auferweckt, dafür sind wir alle Zeugen." (Apg 2,32)
"Du gibst deinen Frommen nicht der Verwesung preis." (Apg 2,27)
"Mit Gewissheit erkenne also das ganze Haus Israel: Gott hat ihn zum Herrn und Christus gemacht." (Apg 2,36)
Und für alle, die sich jetzt denken: Klar, das haben wir vorhin in der Lesung in der Predigt des hl. Paulus gehört - Ich muss Sie enttäuschen: Diese Sätze stammen aus einer anderen Predigt, einige Kapitel früher in der Apostelgeschichte. Sie sind nicht aus der Predigt des Paulus, sondern aus der Pfingstpredigt des Petrus.
Trotzdem haben Sie nicht unrecht, denn ich habe bewusst Sätze ausgesucht, die ganz ähnlich sowohl von Petrus als auch später von Paulus gesagt werden. Es sind gleiche Gedanken, ähnliche Formulierungen, sogar dieselben Schriftzitate. - Und jetzt die provokante Frage: Hat Paulus da einfach abgeschrieben? War das Copy & Paste? Ein bisschen Plagiat?
Im normalen Leben würden wir sagen: Abschreiben geht gar nicht - vielleicht ist der eine oder andere in der Schule einmal dabei erwischt worden und erinnert sich noch an die Konsequenzen; vielleicht kommen einem die verschiedenen Plagiatsaffären in den Kopf, von denen wir immer wieder hören.
Aber im Glauben ist es anders. Im Glauben dürfen wir kopieren. Ja, wir sollen es sogar. Denn Paulus kopiert nicht einfach Petrus, sondern beide kopieren; beide "kopieren" Jesus Christus.
Darum klingen ihre Predigten so ähnlich, weil beide im Kern dasselbe sagen wollen: Jesus ist gestorben; Gott hat ihn auferweckt; Wir sind Zeugen dafür; In ihm gibt es Vergebung. - Das ist keine zufällige Ähnlichkeit, sondern es ist die gleiche Botschaft, die weitergegeben wird.
Liebe Brüder und Schwestern!
Vielleicht können wir sogar sagen: Petrus und Paulus kopieren nicht einfach Worte, sondern sie kopieren ein Leben - und genau das geben sie weiter.
Wir sind heute auf einer Berufungswallfahrt. Oft werden bei solchen Gelegenheiten die verschiedenen einzelnen Formen von Berufung - sei es in einem geistlichen Beruf oder auf andere Weise - genannt; und es wird dann gesagt: Jeder muss seine Berufung erkennen. Berufung als etwas ganz Eigenes, etwas je Besonderes. Das stimmt, aber ich denke, dahinter steht doch die große Gemeinsamkeit, die jede christliche Berufung ausmacht: Berufung heißt zuerst: Werde Christus ähnlich. Oder etwas pointiert gesagt: Mach Copy & Paste - aber von Jesus!
Gerade in unserer Welt, die auch von den sozialen Medien und anderem geprägt ist, kennen wir das. Man schaut sich etwas von anderen ab: Wenn ich Reels, Videos oder dergleichen anschaue, kann es schon sein, dass ich den Stil dieser Influencer auch ganz unbewusst zum Teil übernehme: Wie sie reden, wie sie sich kleiden, wie sie auftreten. Die Frage ist also gar nicht, ob du kopierst - das wird sich nicht ganz vermeiden lassen und muss es auch gar nicht, sondern wen du kopierst. Christliche Berufung lautet im Kern: Kopiere Jesus. Mach es wie er.
Das heißt: Vergeben statt nachtragen, helfen statt wegschauen, ehrlich sein statt sich verstellen, ...
Liebe Brüder und Schwestern!
Diese Form von Copy & Paste, dieses Leben der christlichen Berufung, bleibt nichts Äußerliches. Es nicht nur ein einfaches Imitieren nach außen, sondern es will dazu führen, dass Christus in uns lebt, dass der Heilige Geist in und durch uns handelt.
Darum haben Petrus und Paulus so ähnlich gesprochen: Nicht weil sie äußerlich abgeschrieben hätten, sondern weil derselbe Geist in ihnen gewirkt hat.
Ich denke, das ist unser aller Berufung, noch vor jeder Differenzierung in die verschiedenen Einzelberufungen, um die wir den Herrn heute auch bitten: das Entscheidene zu kopieren, nämlich Jesus Christus, in klassichen Worten: ihm nachfolgen! Das ist nicht billiges Copy & Paste, das ist nicht verpöhntes Abschreiben, das ist nicht illegales Plagiat, sondern das ist unsere Berufung.

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